alexandra lubchansky
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  Hohenems  
 
Im Zeichen der "Königin der Nacht"

Hohenems (VN-Sch) Wer „Königin der Nacht" liest, denkt an die Rächerin in Mozarts „Zauberflöte". Das erste Konzert der neuen Saison des Kammerorches­ters „Arpeggione" trug dieses Motto. Doch bis die Furie geifern konnte, dau­erte es bis zur Zugabe.

Das Hohenemser Kammer­orchester „Arpeggione" spiel­te zum Auftakt der neuen Abo-Reihe im Rittersaal Werke von Händel, Pärt und Mozart. Am Pult stand der österreichische Dirigent Manfred Mayrhofer; als Solistin wirkte die aufstre­bende russische Sopranistin Alexandra Lubchansky mit. Das Orchester präsentiertesich mit gewohnt hoher Spiel­kultur, aber einigen Verände­rungen; so fungierte etwa Ka­rin-Regina Florey diesmal als Konzertmeisterin.

Der Abend wurde mit dem luzid musizierten Concerto grosso, op. 6, Nr. 1, von Händel eröffnet. Alexandra Lubchan­sky beeindruckte mit zwei Arien aus der Händel-Oper „Rinaldo" - sie sang die von trauriger Inbrunst erfüllte Arie der Almirena und die wild funkelnde Arie der Zau­berin Armida. Die Sopranistin besitzt leuchtendes Stimm­material, eine schon fast per­fekte Technik im Bereich der Spitzentöne und wird nach einem noch zu erfolgenden Feinschliff im dynamischen Bereich gewiss eine beachtliche Karriere machen.

Ungewöhnlich in diesem Programm konnte Arvo Pärts „Cantus in memoriam Benja­min Britten" gelten - eine beim Ton a beginnende fallen­de, sich monoton steigernde Tonleiter, in welche immer wieder eine Totenglocke (Wolfgang Lindner) hinein­schlägt. Das filigran spielende Orchester faszinierte mit die­ser wehmütigen Pärt'schen Klangwelt, einzig der sich als Moderator versuchende Diri­gent störte mit einem verbalen Misston - er wünschte näm­lich aus unerfindlichen Grün­den für Pärts Totenmusik„Viel Spaß!" . . . Dirigierend hingegen war Mayrhofer ein aufmerksamer und sehr im­pulsiver Kapellmeister. Es folgten noch die stürmische Schlachtmusik aus Händels „Julius Caesar" und die schmerzerfüllte Arie der Cleo­patra „Piangero" sowie die Mozart-Konzertarien KV 538 und KV 418, weitere Beweise für Alexandras goldene Kolo­raturenkehle. Die lebensfrohe A-Dur-Symphonie Mozarts (KV 201) bildete den fulminan­ten Schlusspunkt . Und die vir­tuose Zugabe bezog sich nun endlich direkt aufs „Zauber­flöten"-Motto.

 
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