alexandra lubchansky
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  Badische Neueste Nachrichten, 07/2005  
 
Professionel und angenehm

Die jahreszeitlich abgestimmte Konzertreihe der Philharmonie im Festspielhaus, von Elmar Gunsch moderiert, ist offensichtlich eine bewährte und beliebte Veranstaltung. Das gut zweistündige Sommerkonzert zog wieder einmal eine zahlreiche wie feste Besucherklientel in Bann, die viel Applaus für das abwechslungsreiche und vielschichtige Programm gab.

Unter der Leitung von Dirigent Werner Stiefel wartete die Philharmonie mit einem großen sommerlichen Bogen der Musikgeschichte, angefangen mit Antonio Vivaldis barocker Auseinandersetzung mit der heißen Jahreszeit, über Mozart, Beethoven, russischen wie ungarischen Melodien des 19. Jahrhunderts bis hin zu weltbekannten Musicalstücken der Moderne auf. Maßgeblich beteiligt am erfolgreichen Konzertverlauf waren die Solisten wie der japanische Geiger und Konzertmeister der Philharmonie, Yasushi Ideue, mit einem ergreifenden Spiel, die russische Sopranistin Alexandra Lubchansky, die an der Opernschule in Karlsruhe sich in Gesang ausbilden ließ und in der vergangenen Festspielhaus-Saison als „Parsifal"-Blumenmädchen an der Oos gastierte, sowie ein ganz blutjunges Talent aus Rastatt.

Mit jugendlich frischem, teils auch ungewöhnlich modernem Anschlag setzte Frank Düpree, der seit seinem fünften Lebensjahr Klavierunterricht erhält und dessen Talent schon mit über 40 Preisen bei nationalen und internationalen Wettbewerben bestätigt wur­de, Beethovens Klavierkonzert in C-Dur in Szene. Überragend spielte er am Xylophon ei­nen Csardas von Vittorio Monti.

Zwischen den einzelnen Stücken zitierte der aus dem Fernsehen einem breiten Publikum bekannte Elmar Gunsch mit der für ihn typischen angenehm-sonoren Stimme und seriöser Bühnenpräsenz passende Gedichte wie „Himmelblau" und moderierte die dann folgenden Stücke an. Etwa die Arie der Konstanze aus Mozarts „Entführung aus dem Serail" mit der jungen Sopranistin Alexandra Lubchansky. Leidenschaftlich, aber mit verhaltener Ausstrahlung sang die Sopranistin nicht nur ,,Ach ich liebte", sondern auch in schwindelnden Höhen das russische Volkslied „Die Nachtigall", um dann im zeitgenössischen Stück „Summertime" von George Gershwin aus dem sozialkritischen Musical „Porgy and Bess" das Publikum ganz zu begeistern.

Das Orchester schwelgte mit Schwung und Spielfreude unter Dirigent Stiefel im bekannten Walzer „Ein Sommerabend" und setzte mit Bernsteins Juwelensong „Glitter and be Gay" einen heiter-frechen Schlussakzent. Als Überraschung, die nicht im Programm vermerkt war, gab die Sopranistin verwandelt mit einer Goldlame-Robe und blonder Pagenkopfperücke, eine überzeugende, lockere Zugabe in die heile Operettenwelt. Das Publikum spendete begeistert Applaus und erhielt zum Dank weitere Zugaben. Petra Kirsch

 
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