alexandra lubchansky
critics

  Journal Luxemburg, 12/2002  
 
Grosser Erfolg für die Sängerin Alexandra Lubchansky

Am vergangenen Freitag erlebte in Ettelbrück der fast voll be­setzte große Konzertsaal des "Centre d'Arts Pluriels Ed. Juncker" das Debüt-Konzert der russischen Sängerin Alexandra Lubchansky (Sopran), begleitet vom Slovakischen Philharmoni­schen Staatsorchester aus Kosice unter Leitung des Luxemburger Dirigenten Jeannot Weimerskirch.

Den Auftakt machte das Orche­ster allein mit der Ouvertüre aus Rossinis „Italienerin in Algier". Schnell wurde klar: hier stand ein erstklassiges und gut dirigier­tes Orchester auf der Bühne.

Danach der erste, mit Spannung erwartete Auftritt der jungen, noch unbekannten Sängerin mit der Arie der Rosina (Una voce poco fa) aus Rossinis „Der Bar­bier von Sevilla".

Intonation und Timbre absolut Weltklasse

Souverän, aber, sehr sympa­thisch, bescheiden und spürbar publikumsnah stellte sich die attraktive Lubchansky vor ihr Auditorium, schenkte ihm ein gewinnendes Lächeln... und interpretierte Rossini mit derar­tig professioneller Leichtigkeit, perfekter Intonation und war­mem Timbre, dass man nach die­ser Arie wusste: hier stand eine begnadete Künstlerin auf der Bühne, von der einiges zu erwar­ten war.

Dramatischer Koloratursopran

Und so kam es auch. Aus Verdis „Traviata" sang Alexandra Lub­chansky nun die wohl bekannte­ste Arie der Violetta (E strano Ah, fors'e Follie... Sempre libera) und offenbarte ihr Stimmfach: der dramatische Koloratursopran.

So lag es auf der Hand, dass Lub­chansky, sozusagen als Beweis ihrer Virtuosität, gleich die zwei schwierigsten Arien der Königin der Nacht aus Mozarts Zauber­flöte im Programm hatte: „O zittre nicht, mein lieber Sohn" und, als Zugabe: „Der Hölle Rache kocht in meinem Her­zen", die berühmte Koloratura­rie in der gleich achtmal das hohe F vorkommt.

Persönlicher Stil gepaart mit großer Schauspielkunst

Aber Lubchansky begnügte sich nicht mit der Präsentation ihrer schönen Stimme und einer musi­kalisch und technisch einwandfreien Leistung. Sie zeigte per­sönlichen Stil, und, für ein Gala­konzert eher selten: sie inte­grierte schauspielerische Elemente.

Expressives Rollenspiel

Fernab einer steifen Haltung, spielte die Sängerin expressiv ihre Rollen: die nachdenklich verliebte Violetta im „E strano", die todkranke sich in ihre Vergangenheit flüchtende Vio­letta im „Addio del passato", die kesse, kokettierende Adele in „Mein Herr Marquis" (au! Johann Strauss:„Die Fleder maus"), um nur diese zu nennen.

Zum großen Vergnügen der Zuschauer trat dann auch noch plötzlich eine vollständig ver­wandelte Lubchansky auf die Bühne, im ersten Moment nicht unter blonder Perücke und knal­ligem Make-up erkannt, und spielte die hysterische Kunigunde in der „Glitter and be gay – Arie aus Leonard Bernsteins „Candide", ein extrem kompli­ziertes Gesangsstück, in wel­chem die Sängerin mit Bric schauspielerisches Talent mit musikalischer Virtuosität verband - Weltklasse! Somit war klar: Alexandra Lubchansky gehört auf eine grosse Opern­bühne, und zwar für eine Hauptrolle.

Stehende Ovationen für eine Ausnahmekünstlerin

Das Publikum bedankte sich bei Lubchansky mit stehenden Ova­tionen und Lubchansky be­dankte sich ihrerseits beim Publikum mit zwei Zugaben.

Am Ende konnte keiner so recht glauben, dass es sich hier wirk­lich um das erste Solokonzert dieser Künstlerin mit großen: Orchester handelte.

Potential und Material ideal

Jedenfalls deutet das Potential und Material dieser jungen Kü­nstlerin auf eine große Karriere hin. Wir wünschen es ihr.

Der Erfolg des Abends lag aber auch an der sehr interessanten und variationsreichen Gestal­tung des Programms.

Angenehm aufheiternd waren im zweiten Teil die Johann Strauss Einlagen des überzeu­gend aufspielenden und schwungvoll dirigierten Orches­ters – und zwei Tenorarien, zu denen der luxemburgische Te­nor Marco Zorzi als spezieller Gast auf die Bühne trat.

 
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