alexandra lubchansky
critics

  Das Opernglass, 1/2005  
 
Lucia di Lammermoor

... Sängerisch war dies der Abend der Alexandra Lubchansky. Hatte die junge Russin noch vor gut ei­nem Jahr als Angelina in einer In­szenierung der Musikhochschule Karlsruhe reüssiert, verliefdie Kar­riere der Sopranistin von da ab in großen Schritten. In Hildesheimverblüffte sie schon als Zerbinetta und atemberaubender Oscar in »Ein Maskenball«, und auch die FrankfurterOper hatsich ihre Diens­te schon als Blondchen gesichert.

Ob man wollte oder nicht: Wer vor über 10 Jahren eine junge, damals noch völlig unbekannte Pe­tersburger Studentin namens Anna Netrebko als fulminante Susanna im »Figaro« in Stade (!) gehört hat­te, kann gewisse Parallelen zu dem Eindruck, den Alexandra Lubchans­ky derzeit auf der Bühne macht, nicht ganz verleugnen.

Die Stimmeverfügt über ein sehr ausgeglichenes, warmes und mäd­chenhaftes Timbre und wirkt damit auch in den Fiorituren nie kalt und mechanisch. Technisch wird ihr So­pran ausgesprochen sicher geführt: Die Lagenwechsel sind kaum hör­bar und Lubchansky gelingt in je­der Dynamikstufe eine absolut si­chereTonproduktion. Was derStim­me derzeit noch am letzten Quänt­chen Volumen in besonders exponierten Passagen fehlt, dürfte in den nächsten Jahren noch „wach­sen". Das Publikum hatte sie be­reits nach ihrem eröffnenden „Reg­nava nei silenzio" auf ihrer Seite. Schade nur, dass sie in den Duet­ten mit Edgardo und Enrico auf Partner traf, die diesem sehr hohen musikalischen Standard nicht ganz halten konnten.

Jago Ramos war ein lyrischer Ed­gardo mit warmem Timbre, dem es jedoch noch am nötigen „squillo" für diese Rolle fehlte. Uwe Tobias Hieronimi als Enrico setzte seinen kernigen, gut fokussierten Bariton sehr effektvoll ein, blieb darstelle­risch aber hinter seinem Anckar­ström im »Maskenball« an glei­cher Stelle deutlich zurück. Piet Bruninx konnte als knorriger, aber bassgewaltiger Raimondo für sich einnehmen, und Hanno Harms war ein mehr als rollendeckend besetz­ter Normanno, der nach anfängli­chen, leichten rhythmischen Diffe­renzen mitdem Dirigenten im Lau­fe des Abends immer besser ins Spiel kam. Daniel Pohnert musste seinen Arturo doch eine Spur zu weinerlich anlegen, umzumindest als halbwegs ernst zu nehmender Konkurrent Edgardos um Lucias Hand durchgehen zu können. Ag­nes Bulga-Contras sekundierte als Alisa eher unauffällig. Belcanto­Fans sollten spätestens ab jetzt Hdesheim unbedingt in ihren Reise­plänen berücksichtigen- falls nicht längst geschehen. S. Mauß

 
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